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1.2 Wirkungsbereich der plyometrischen Trainingsintervention
Nach dem Kraftmodell von BÜHRLE/SCHMIDTBLEICHER, das mit
den Schnellkraftkomponenten der Absolutkraft, der Maximalkraft, der Explosivkraft
und der Startkraft arbeitet, läßt sich der Anwendungsbereich des
plyometrischen Trainings auf die Verbesserung der Explosivkraft beziehen. Untersuchungen
von VIITASALO et al. (1981) belegen, daß ein Niedersprungtraining mit
reaktiven Bewegungsformen im Vergleich zu herkömmlichen Gewichtstrainingsformen
(konzentrisch und exzentrisch-konzentrisch) signifikante Verbesserungen im Bereich
der Sprunghöhe nach sich zieht, während im Bereich der konzentrischen
Maximalkraft kaum Verbesserungen festzustellen sind.
Offensichtlich sind reaktive Bewegungsmuster als hochspezialisierte
Übungsformen im (Kraft-) Trainingsprozeß anzusehen.
1.3 Die Entwicklung des plyometrischen Krafttrainings
Der Begriff Plyometrie geht zurück auf gr. “plythyein”
(steigern, erhöhen), besteht also aus den Bestandteilen “plio”
und “metric”, die “mehr” und “messen”
bedeuten. Die Geschichte der Plyometrie ist kurz. Erstmals beschrieben wurden
ihre Arbeitsweise von Sportwissenschaftlern aus osteuropäischen
Ländern seit Mitte der sechziger Jahre. Die damaligen leichtathletischen
Erfolge vor allem der Sowjetrussen beruhen zu einem großen Teil auf dieser
Trainingsform (zumindest in den Schnelligkeits-und Explosivkraft-Wettbewerben).
Ein früher Verfechter, Yuri VEROSHANSKI, hatte mit plyometrischem Training,
vor allem mit von ihm trainierten Springern, große Erfolge. Er
experimentierte ab 1967 mit Tiefsprüngen und der Schlagmethode. Eine
wichtige Erkenntnis VEROSHANSKIS war schon damals, mit dem Reaktivkrafttraining
eine Methode gefunden zu haben, die nicht nur das kontraktile Gewebe auf
schnellstkräftige Bewegungen vorbereitet, sondern entsprechende
Adaptionserscheinungen im gesamten neuromuskulären System nach sich
zieht.
Erstmals große Beachtung wurde dem plyometrischen Training durch die
Erfolge des Sprinters Valeri Borzov geschenkt, der sehr intensiv in diesem
Bereich trainiert hatte. Bei den Olympischen Spielen von 1972 gewann Borzov im
Alter von 20 Jahren die Goldmedaille über 100 m in 10,0 Sekunden.
Inzwischen ist das plyometrische Training wissenschaftlich untersucht
worden und in der Wirkung auf reaktive Kraftentwicklung allgemein anerkannt.
Leider fehlen immer noch Untersuchungen über einen längeren Zeitpunkt,
die außer über die muskuläre Verbesserung auch aussagekräftige
Ergebnisse über die Verträglichkeit solcher Übungsformen liefern
können. Zumindest aber für kürzere Zeiträume (im Bereich
von einigen Wochen) liegen Ergebnisse vor. Zu nennen sind insbesondere die Arbeiten
von VIITASALO ( 1981), BOSCO (1982), SCHMIDTBLEICHER (1984 u. 1985), sowie KOMI
(1985).
2.0 Zur Funktionsweise reaktiver Bewegungsabläufe
2.1 Anatomisch-biomechanische Besonderheiten
Das entscheidende Kriterium für ein reaktives Krafttraining liegt in
der explosiven Bewegungsausführung.
“Die Betonung liegt bei diesem Bewegungsverhalten in der “schlagartig”
einsetzenden schnellen Dehnung des Muskels zu Beginn der exzentrischen Phase,
weshalb man in der Sportpraxis diese Trainingsformen auch als Schlagmethode
bezeichnet [...].”
Ein schlagartiges Einsetzen des Kraftstoßes, bei dem der Muskel trotz
hohem willkürlichem Tetanus gedehnt wird, beinhaltet sehr hohe
Kraftspitzen, die auf den Organismus einwirken. Es ist also bei der
Trainingsdurchführung auf eine exakte Bewegungsausführung zu
achten.
So besteht neben einer nicht zu unterschätzenden Verletzungsgefahr
auch die Verpflichtung zur genauen Kontrolle der Zielformulierung einer Trainingsform.
SCHMIDTBLEICHER/ GOLLHOFER erklärten, daß bei Tiefsprüngen
ohne Aufsetzen der Ferse vor allem der M. gastrocnemius trainiert wird.
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